WhatsApp-Betrug und Telefonbetrug erkennen Sie an drei Dingen, die fast immer zusammen auftreten: jemand, der sich als Vertrauensperson ausgibt (Ihr Kind, Ihre Bank, die Polizei), eine Notlage und eine Forderung, die keinen Aufschub duldet: eine Überweisung, der Code aus der SMS, ein Klick auf einen Link oder die Installation einer App. Auch die Abwehr ist fast immer dieselbe: Legen Sie auf und rufen Sie selbst die Nummer an, die Sie schon kennen. Ist die Sache echt, ist sie es in fünf Minuten immer noch.
Es sind die alten Tricks, nur mit dem Handy in der Hand. Victor Lustig gab sich 1925 als Beamter der französischen Regierung aus, um den Eiffelturm zu verkaufen. Heute ist die Verkleidung eine neue Nummer und ein Profilbild.
Der Hallo-Mama-Betrug
„Hallo Mama, hallo Papa, das ist meine neue Handynummer …“ So oder ähnlich beginnt laut Polizei derzeit der häufigste Einstieg in einen Betrug per SMS oder Messenger.
So funktioniert er. Die erste Nachricht kommt von einer unbekannten Nummer. Antworten Sie, erzählt das falsche Kind von einer Notlage: Eine Rechnung muss zügig bezahlt werden, weil das neue Smartphone angeblich noch nicht fürs Onlinebanking freigeschaltet ist; um Druck aufzubauen, ist von einer Mahnung oder einem drohenden Inkassoverfahren die Rede. In einer anderen Variante wird ein Notfall vorgetäuscht. Die Polizei betont, dass nicht nur Oma und Opa betroffen sind: Auch jüngere Menschen werden immer häufiger Opfer.
Warnsignale. Unbekannte Nummer, dringender und emotionaler Ton, Ausreden, warum man nicht telefonieren kann, und Eile bei einer schnellen Überweisung.
Was Sie tun sollten.
- Speichern Sie die „neue“ Nummer nicht. Rufen Sie Ihr Kind unter der alten, bekannten Nummer an.
- Erreichen Sie es nicht, rufen Sie jemanden an, der bei ihm ist.
- Fragen Sie etwas, das nur die echte Person wissen kann, oder fragen Sie nach dem Familien-Kennwort, das die Polizei empfiehlt.
- Blockieren Sie die Nummer und löschen Sie danach den Chat.
Enkeltrick und Schockanruf am Telefon
Der Klassiker kommt weiter über das Festnetz. Beim Enkeltrick meldet sich der Anrufer nicht mit Namen und lässt raten, wer spricht. Die Polizei rät: Raten Sie nicht, sondern lassen Sie den Anrufer seinen Namen selbst nennen, und fragen Sie Dinge ab, die nur der echte Verwandte wissen kann.
Beim Schockanruf behauptet jemand, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht und komme nur gegen eine Kaution in bar oder in Wertsachen nicht in Haft. Am Handy werden Betroffene laut Polizei teils bis zur Geldübergabe in der Leitung gehalten, damit sie niemanden anrufen können. Die Regel der Polizei: Legen Sie sofort auf. Das ist nicht unhöflich, sondern gibt Ihnen Zeit, durchzuatmen. Und: Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an Unbekannte, auch nicht an angebliche Polizisten. Echte Polizeibeamte fragen niemals nach Bargeld oder Schmuck. Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, wählen Sie die 110.
Falsche Bankmitarbeiter am Telefon
So funktioniert es. Eine SMS „Ihrer Bank“ warnt vor einer verdächtigen Abbuchung oder einem gesperrten Zugang und enthält einen Link, oder ein „Sicherheitsmitarbeiter“ ruft an. Die Nummer auf dem Display beweist nichts: Beim sogenannten Call-ID-Spoofing erscheint dort eine echte Telefonnummer. Die BaFin warnte im September 2026, dass Unbekannte auf diese Weise sogar mit der Nummer ihres Verbrauchertelefons und ihrer Telefonzentrale anriefen, um an persönliche Daten zu kommen.
Dann verlangen sie, was sie brauchen, um das Konto leerzuräumen: Ihre Zugangsdaten, den Code, der gerade angekommen ist, dass Sie „Ihr Geld auf ein sicheres Konto überweisen“ oder eine App installieren, die Ihr Handy angeblich „schützt“ und ihnen in Wahrheit die Kontrolle gibt.
Die Regel, die den Trick entlarvt. Gehen Sie in diesem Moment auf keine dringende Bitte ein. Legen Sie auf, öffnen Sie die Banking-App oder rufen Sie die Nummer auf Ihrer Karte an. Und wenn jemand möchte, dass Sie Ihr Geld auf „ein sicheres Konto“ überweisen, wissen Sie schon, wem dieses Konto gehört.
SMS und Nachrichten mit Link
Am häufigsten sind das angeblich festgehaltene Paket, die falsche Rückerstattung, die offene Rechnung oder der unerwartete Gewinn. Der Link führt auf eine Seite, die Kartendaten, PIN oder TAN abfragt. Die BaFin beschreibt, wie Kriminelle mit gefälschten Nachrichten, die angeblich von Banken stammen, ihre Opfer auffordern, PIN und TAN fürs Onlinebanking preiszugeben.
- Klicken Sie auf keinen Link in einer Nachricht, die Sie nicht erwartet haben. Gehen Sie selbst auf die offizielle Website oder in die App; das rät auch die Polizei.
- Zweifeln Sie an einer Sendung, rufen Sie den Paketdienst an.
- Misstrauen Sie Gewinnen: Niemand verschenkt Geld, wenn Sie vorher die Kosten zahlen sollen.
Codes: der Schlüssel zu Ihrem Konto
Die TAN oder der Freigabecode, der per SMS oder in der App ankommt, bestätigt eine Zahlung oder eine Änderung an Ihrem Konto. Deshalb ist er das Begehrteste. Diktieren Sie ihn einem Anrufer, ist der Auftrag von Ihnen freigegeben. Das Gesetz unterscheidet: Bei einem nicht autorisierten Zahlungsvorgang muss die Bank den Betrag nach § 675u BGB erstatten; die BaFin weist aber darauf hin, dass Banken Schäden nur ersetzen, wenn Sie Ihre Sorgfaltspflichten eingehalten haben, und dass Sie bei grober Fahrlässigkeit selbst haften. Mehr dazu unter Betrogen worden – was tun?.
Regel für die ganze Familie: Codes werden nie, niemandem, am Telefon genannt. Und es wird auch keine Fernwartungssoftware installiert, nur weil ein Anrufer es verlangt, selbst wenn er sich als technischer Kundendienst ausgibt.
Die gemeinsamen Warnsignale
- Unerwarteter Kontakt von einer neuen Nummer oder von einer, die offiziell aussieht.
- Falsche Identität einer Vertrauensperson: Familie, Bank, Polizei, Finanzamt, ein bekanntes Unternehmen.
- Eile oder Angst: ein Unfall, eine Festnahme, eine betrügerische Abbuchung, ein gesperrtes Konto.
- Geheimhaltung: „Sag Papa nichts“, „Rufen Sie nicht bei der Bank an, die Leitung wird abgehört“.
- Eine konkrete Forderung: Geld per Überweisung, ein Code, ein Link, eine App.
Sehen Sie zwei dieser Signale zusammen, brechen Sie ab. In Ruhe durchgehen können Sie sie mit dem Betrugs-Check von MATERIUM.
Wenn Sie schon gezahlt oder Daten preisgegeben haben
- Rufen Sie sofort Ihre Bank an, unter der offiziellen Nummer, um die Zahlung möglichst zu stoppen. Karten und Online-Banking lassen sich rund um die Uhr auch über den Sperr-Notruf 116 116 sperren.
- Ändern Sie die Zugangsdaten, die Sie weitergegeben haben, direkt im Online-Banking.
- Sichern Sie die Nachrichten und die Nummer, dann blockieren und melden Sie sie im Messenger.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, auch online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Laut BaFin kann die Polizei eine sogenannte KUNO-Sperrung veranlassen, die verhindert, dass Ihre Karte im Lastschriftverfahren missbraucht wird; Banken und der Sperr-Notruf können das nicht.
- In Österreich informiert die Watchlist Internet über aktuelle Maschen, in der Schweiz die Polizei auf cybercrimepolice.ch; Anzeige erstatten Sie dort bei der örtlichen Polizei.
Derselbe Trick, ein Jahrhundert alt
1925 stellte sich Victor Lustig den Pariser Schrotthändlern als Beamter des Ministeriums für Post und Telegrafen vor. Er erzählte ihnen, der Staat wolle den Eiffelturm abbauen und als Schrott verkaufen, und lud sie in eine Hotelsuite statt in ein Amtszimmer, weil die Angelegenheit „zu heikel“ sei. Geliehene Autorität, Geheimhaltung und ein exklusives Angebot: genau das, was heute der falsche Bankmitarbeiter benutzt. Das Gesetz der Täuschung Nr. 1: „Die Gier des Opfers erledigt die Arbeit des Betrügers.“ Deshalb funktioniert der „unerwartete Gewinn“ bis heute.
Sich als jemand anderes auszugeben, ist der älteste Trick des Gewerbes. Frank Abagnale prahlte damit, Pilot, Arzt und Anwalt gewesen zu sein, auch wenn spätere Recherchen einen guten Teil seiner Geschichte in Zweifel gezogen haben. Unsere Lehre ist beim falschen Kind dieselbe wie beim falschen Piloten: Trauen Sie nicht dem, der sagt, wer er ist; prüfen Sie, wer er ist.
Ältere Menschen sind das Lieblingsziel dieser Anrufe. Wenn Sie Ihre Familie vorbereiten möchten, helfen wir Ihnen unter Betrug an Senioren.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich WhatsApp-Betrug?
Misstrauen Sie jeder Nachricht von einer neuen Nummer, deren Absender sich als Angehöriger, als Ihre Bank oder als Unternehmen ausgibt und eilig Geld, einen Code oder einen Klick auf einen Link verlangt. Prüfen Sie immer, indem Sie selbst die Nummer anrufen, die Sie schon gespeichert hatten.
Was ist der Hallo-Mama-Betrug?
Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer, etwa „Hallo Mama, hallo Papa, das ist meine neue Handynummer“. Danach folgt eine dringende Bitte: eine Rechnung, die heute bezahlt werden muss, weil das neue Handy angeblich noch nicht fürs Onlinebanking freigeschaltet ist. Die Polizei nennt das den derzeit häufigsten Einstieg in einen Messenger-Betrug.
Kann ein Anruf gefälscht sein, obwohl die Nummer meiner Bank angezeigt wird?
Ja. Beim Call-ID-Spoofing erscheint auf dem Display eine echte Nummer, obwohl Betrüger anrufen. Die BaFin warnte im September 2026, dass Kriminelle so sogar die Nummer ihres Verbrauchertelefons nutzten. Legen Sie auf und rufen Sie selbst die Nummer auf Ihrer Karte oder in der App an.
Darf meine Bank mich am Telefon nach einer TAN fragen?
Nein. Eine TAN oder ein Freigabecode bestätigt einen Auftrag: Wer ihn am Telefon weitergibt, gibt die Zahlung selbst frei. Geben Sie solche Codes nie an Anrufer weiter, egal, wer sie zu sein behaupten.
Was tue ich, wenn ich nach einem Telefonbetrug schon Geld überwiesen habe?
Rufen Sie sofort Ihre Bank an, um die Zahlung möglichst zu stoppen, und lassen Sie Karten und Online-Banking sperren, auch über den Sperr-Notruf 116 116. Blockieren und melden Sie die Nummer, sichern Sie die Nachrichten und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.
Quellen
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Messenger-Betrug
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Enkeltrick
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Schockanrufe
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Betrug durch falsche Polizisten
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Phishing
- BaFin, Bafin warnt vor gefälschten Anrufen des Verbrauchertelefons (18. September 2026)
- BaFin, Datendiebstahl
- Sperr-Notruf 116 116
- § 675u BGB, Haftung des Zahlungsdienstleisters für nicht autorisierte Zahlungsvorgänge (gesetze-im-internet.de)
- Polizei, Onlinewachen der Polizeien in Deutschland
- Watchlist Internet (Österreich), Warnungen zu Online-Betrug
- cybercrimepolice.ch, Informationen der Schweizer Polizei zu Internetbetrug
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