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Folge 12 · Frank Abagnale

Frank Abagnale: Was an Catch Me If You Can wahr ist

Veröffentlicht am 20. Oktober 2026 · Überprüft am 28. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit

Frank Abagnale

Catch Me If You Can beruht nur zum Teil auf wahrer Begebenheit. Frank Abagnale, 1948 in New York geboren, hat tatsächlich Schecks gefälscht, sich als Pilot ausgegeben und im Gefängnis gesessen. Nach den öffentlichen Akten, die der Rechercheur Alan C. Logan in seinem Buch The Greatest Hoax on Earth von 2020 zusammentrug, saß er jedoch vom 26. Juli 1965 bis zum 24. Dezember 1968 im Staatsgefängnis Great Meadow ein: in genau den Jahren, in denen er als Pan-Am-Pilot geflogen, als Arzt tätig und als Anwalt zugelassen gewesen sein will. Seine Verurteilung auf Bundesebene von 1971 betraf zehn Schecks über zusammen 1.448,60 Dollar, nicht die 2,5 Millionen, von denen er erzählt. Abagnale hat diese Ergebnisse nicht akzeptiert: 2021 sagte er, er habe das Buch nicht gelesen und es verdiene keinen Kommentar.

In 30 Sekunden

  • Abagnale erzählt, er habe zwischen 16 und 21 Jahren in 26 Ländern 2,5 Millionen Dollar mit gefälschten Schecks kassiert und sei Pilot, Arzt und Anwalt gewesen.
  • Laut Logan war er in diesen Jahren elfmal in Haft und insgesamt nur etwa vierzehn Monate in Freiheit.
  • Das Bundesurteil vom April 1971 lautete auf zwölf Jahre (zehn für die Schecks, zwei für eine Flucht), wegen zehn Schecks über 1.448,60 Dollar.
  • Steven Spielbergs Film (2002) spielte rund 352 Millionen Dollar ein und machte seine Version zur offiziellen Geschichte.

Chronologie

  1. Frank William Abagnale Jr. wird in New York geboren.

  2. Er kommt als Häftling 25367 ins Gefängnis Great Meadow, laut den von Logan zitierten Akten.

  3. Er verlässt Great Meadow, laut denselben Akten.

  4. Festnahme in Baton Rouge, nachdem er Schecks der Familie Parks mitgenommen hat.

  5. Bundesurteil: zwölf Jahre für zehn Schecks über 1.448,60 Dollar und eine Flucht.

  6. Der San Francisco Chronicle berichtet, Johnny Carson sei getäuscht worden.

  7. Das Buch Catch Me If You Can erscheint, geschrieben mit Stan Redding.

  8. Spielbergs Film kommt ins Kino; Abagnale schreibt auf seiner Website, der Koautor habe Teile der Geschichte übertrieben.

  9. Alan C. Logan veröffentlicht The Greatest Hoax on Earth mit den öffentlichen Akten des Falls.

  10. Javier Leiva vom Podcast Pretend legt ihm in Las Vegas seine Häftlingskarte vor.

Die Geschichte, wie er sie erzählte

Die Version, die fast jeder kennt, stammt aus dem Buch Catch Me If You Can, 1980 erschienen und gemeinsam mit dem Journalisten Stan Redding geschrieben, und aus dem Film, den Steven Spielberg 2002 mit Leonardo DiCaprio in die Kinos brachte. Abagnale hat sie jahrzehntelang im Fernsehen und in Vorträgen wiederholt. Im AARP-Podcast The Perfect Scam fasste er sie 2018 so zusammen: Noch bevor er alt genug gewesen sei, um Alkohol trinken zu dürfen, habe er in sechsundzwanzig Ländern zweieinhalb Millionen Dollar in gefälschten Schecks unterschrieben.

Nach dieser Version lief er mit sechzehn von zu Hause weg, flog in Pilotenuniform gratis im Cockpit von Pan-Am-Maschinen mit, arbeitete ein Jahr lang als leitender Assistenzarzt in einem Krankenhaus in Georgia, bestand die Anwaltsprüfung in Louisiana, wurde in Frankreich festgenommen, floh aus dem Bundesgefängnis in Atlanta und arbeitete schließlich für das FBI, um aus der Haft zu kommen. 1977 erzählte er das in der Fernseh-Rateshow To Tell the Truth, 1978 in der Sendung von Johnny Carson, wo von rund 82 bereisten Ländern die Rede war. Auf seiner Website von 2002 waren es 26.

Was an Catch Me If You Can laut den Akten wahr ist

Der kanadische Rechercheur Alan C. Logan sah den Film und hatte danach, wie er 2021 dem Sender WHYY sagte, das Gefühl, dass sich nichts davon überprüfen ließ. Er beantragte die öffentlichen Unterlagen: Gefängnisakten, Gerichtsakten und Zeitungsarchive der Zeit. 2020 veröffentlichte er The Greatest Hoax on Earth: Catching Truth, While We Can, die wichtigste Quelle der Zweifel an der Erzählung. Der Journalist Javier Leiva vom Podcast Pretend zeigte 2022 einen Teil dieser Dokumente, darunter die Häftlingskarte.

Was die von Logan und Leiva zitierten Akten sagen, verglichen mit seiner Erzählung:

Was Abagnale erzähltWas die Akten sagen
Pan-Am-Pilot zwischen 16 und 18 JahrenHäftling 25367 in Great Meadow (New York) von 1965 bis 1968; Uniformen von TWA und Pan Am trug er 1969 und 1970
2,5 Millionen Dollar in gefälschten SchecksBundesurteil wegen zehn Schecks über 1.448,60 Dollar (1971)
Leitender Assistenzarzt in einem Krankenhaus in GeorgiaLaut Presse von 1978 gab es diesen Dienst in der Kinderheilkunde nicht; 2002 sprach er selbst von „ein paar Tagen“
Anwalt nach bestandener Prüfung in LouisianaLaut Anwaltskammer von Louisiana (1978) trat er nie zur Prüfung an
Flucht aus dem Bundesgefängnis in AtlantaDie dokumentierte Flucht war 1970 aus dem Bezirksgefängnis von Cobb County; nach vier Tagen wurde er wieder gefasst
„Ich wurde nur einmal festgenommen“ (Google, 2017)Mindestens elf Inhaftierungen zwischen 1964 und 1974, laut Logans Rekonstruktion

Man sollte allerdings nicht in den umgekehrten Mythos verfallen. Abagnale ist keine erfundene Figur: Er hat echte Straftaten begangen und saß laut Logan länger im Gefängnis, als er selbst zugibt. Was die Akten infrage stellen, sind das Ausmaß und der Glanz. Seine dokumentierten Taten waren klein und gingen zu einem guten Teil zulasten gewöhnlicher Menschen.

Die Opfer, die der Film nicht zeigte

Eines dieser Opfer war die Familie von Paula Parks, einer Flugbegleiterin, die Abagnale 1969 kennenlernte und der er sich als TWA-Pilot vorstellte. Nach Logans Rekonstruktion, die auf Gesprächen mit der Familie beruht, tauchte er im Haus ihrer Eltern in Baton Rouge, Louisiana, auf, wo man ihn aus Freundlichkeit übernachten ließ. Er nahm Blankoschecks über rund 1.200 Dollar mit. Am 14. Februar 1969 wurde er festgenommen. Mehr als fünfzig Jahre später erzählte Paula Parks Javier Leiva, dass ihre Familie dieses Geld nie zurückbekam.

In seinen Vorträgen der Achtzigerjahre sagte Abagnale, er habe nie einen Menschen betrogen, nur Unternehmen, die es sich leisten konnten. Die von Logan gesammelten Akten nennen Familien in Schweden, Geschäfte in New York und Arbeitskollegen in einem Camp in Texas, wo er 1974 wegen des Diebstahls von Kameras festgenommen wurde.

Wer die Geschichte prüfte und wer nicht

Die Geschichte wurde nicht erst 2020 zum ersten Mal zerlegt. 1978 meldete der San Francisco Chronicle auf der Titelseite, Johnny Carson sei getäuscht worden. Ein Journalist des Daily Oklahoman fragte bei Pan Am nach; der Sprecher der Fluglinie antwortete, zweieinhalb Millionen in gefälschten Schecks vergesse man nicht. 1981 sagte der stellvertretende Staatsanwalt von Louisiana der Zeitung The Advocate: „Dieser Mann ist kein Hochstapler. Er ist ein Lügner.“ Alles war veröffentlicht. Und man lud ihn weiter ein.

2002, wenige Monate vor dem Filmstart, stellte Abagnale eine Stellungnahme auf seine Website, in der er schrieb, der Koautor habe Teile der Geschichte dramatisiert und übertrieben. Im selben Text stand: „Ich habe das Buch geschrieben.“ Im Interview, das Leiva am 23. Juni 2022 in Las Vegas mit ihm führte, die Häftlingskarte von Great Meadow in der Hand, antwortete er: „Ich habe das Buch nicht geschrieben. Ich habe den Film nicht gemacht.“ Und zum Schluss: „Ich hoffe, man beurteilt mich nach dem, was ich aus meinem Leben gemacht habe, nicht nach dem, was vor fünfzig Jahren war.“

Zum FBI spricht seine Website von fünfzig Jahren Zusammenarbeit. Laut Pretend antwortete die Pressestelle des FBI, er habe dort als Gast Vorträge gehalten, sei aber kein Ausbilder.

Was danach geschah

Der Ruhm brachte die Geschichte zu dem Publikum, das am verletzlichsten ist. 2015 ernannte ihn AARP, der große Seniorenverband der USA, zum Botschafter gegen Betrug, und 2018 moderierte er dessen Podcast mit. 2023 erklärte AARP gegenüber der New York Post, man sei nicht mehr mit ihm verbunden. Die Einladungen gingen dennoch weiter: Seine eigene Website kündigt einen Auftritt an der FBI National Academy im Jahr 2024 an, und die Presse hat sein Honorar auf rund 20.000 Dollar pro Vortrag geschätzt. Stand Oktober 2026 ist nicht bekannt, dass Abagnale seine Erzählung korrigiert oder Logan oder Leiva verklagt hätte.

Gesetz der Täuschung Nr. 12: So erkennen Sie dieselbe Falle heute

Das Gesetz, das dieser Fall in den Gesetzen der Täuschung hinterlässt, lautet: Je berühmter die Geschichte, desto seltener prüft man, ob sie stimmt. Der Hebel ist hier nicht die Gier, sondern geliehene Autorität. Als das schwedische Fernsehen ihn 2014 fragte, woher das Publikum wisse, dass all das wahr sei, lautete die Antwort, wie Logan zitiert: Es gebe ein Buch, einen Film und ein Musical. Der Ruhm diente als Beweis.

Das ist keine amerikanische Besonderheit. In Deutschland arbeitete der gelernte Postbote Gert Postel von November 1995 bis Juli 1997 mit gefälschten Papieren als Oberarzt in der psychiatrischen Klinik Zschadraß bei Leipzig; 1999 verurteilte ihn das Landgericht Leipzig wegen wiederholter Hochstapelei und Urkundenfälschung zu vier Jahren Haft. Auch er wurde danach mit einem Buch bekannt. Es ist derselbe Mechanismus, den wir bei berühmten Hochstaplern untersuchen. Heute taucht er in ganz konkreten Formen wieder auf:

  • Der Guru mit Buch und Interviews. Ein Anlage- oder Kryptoexperte, der „im Fernsehen war“ oder einen Bestseller geschrieben hat, ist deshalb noch lange nicht befugt, Ihr Geld zu verwalten.
  • Werbung mit Prominenten. Bekannte Gesichter in Anzeigen für Geldanlagen sind oft gefälscht oder ohne Erlaubnis verwendet. Wir erklären das unter Fake-Werbung mit Promis.
  • Der Lebenslauf, den niemand prüft. Titel, Posten und Berufsjahre, die nur auf der Website der betreffenden Person stehen.
  • Die zu perfekte Aufstiegsgeschichte. Je filmreifer sie ist, desto wichtiger ist es, nach einem Dokument zu fragen.

Prüfen ist einfacher, als es scheint. In Deutschland führen die Landesärztekammern öffentliche Arztsuchen, und die Bundesrechtsanwaltskammer betreibt das Bundesweite Amtliche Anwaltsverzeichnis. Bietet Ihnen jemand eine Geldanlage an, können Sie in der Unternehmensdatenbank der BaFin nachsehen, ob die Person oder Firma zugelassen ist; unter Finanzbetrug erkennen veröffentlicht die BaFin außerdem Warnungen vor nicht zugelassenen Anbietern. In Österreich hilft die Unternehmensdatenbank der FMA, in der Schweiz die Warnliste der FINMA. Bei Unsicherheit berät die Verbraucherzentrale Ihres Bundeslandes; wurden Sie bereits betrogen, können Sie über die Onlinewache der Polizei Anzeige erstatten. Unser Ratgeber Betrug erkennen fasst die wichtigsten Prüfungen zusammen, und wie Sie eine Zulassung im Einzelnen nachsehen, erklärt BaFin-Zulassung prüfen.

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Folge 12 von MATERIUM stellt die Legende den Akten gegenüber: die Häftlingskarte von Great Meadow, das Bundesurteil, die Presse von 1978 und die Aufnahme aus Las Vegas. Sie finden sie in der Folge über Frank Abagnale.

Die ganze FolgeCatch Me If You Can: Hollywood glaubte es. Die Akten nicht. Für die Premiere abonnieren

Häufige Fragen

Beruht Catch Me If You Can auf wahrer Begebenheit?

Nur zum Teil. Frank Abagnale beging tatsächlich Scheckbetrug und gab sich als andere aus, und er saß im Gefängnis. Nach den öffentlichen Akten, die der Rechercheur Alan C. Logan 2020 zusammentrug, verbrachte er aber den größten Teil der Jahre, in denen er Pilot, Arzt und Anwalt gewesen sein will, in Haft.

Wo war Frank Abagnale, als er angeblich Pan-Am-Pilot war?

Nach den Unterlagen des New York State Archives, die Logan zitiert und der Podcast Pretend gezeigt hat, saß er vom 26. Juli 1965 bis zum 24. Dezember 1968 im Gefängnis Great Meadow im Bundesstaat New York ein, als Häftling Nummer 25367.

Wie viel Geld hat Frank Abagnale wirklich ergaunert?

Er selbst spricht von 2,5 Millionen Dollar in gefälschten Schecks. Seine Verurteilung auf Bundesebene von 1971 betraf nach den vom Podcast Pretend zitierten Akten zehn Schecks über zusammen 1.448,60 Dollar. Hinzu kommen kleinere Schecks und Diebstähle zulasten von Familien und Geschäften.

Hat Frank Abagnale für das FBI gearbeitet?

Er hat beim FBI als Gast Vorträge gehalten. Nach Angaben des Podcasts Pretend von 2022 antwortete die Pressestelle des FBI, er sei Gastredner gewesen, aber kein Ausbilder. Seine Website spricht von fünfzig Jahren Zusammenarbeit.

Quellen