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Betrugsarten · Pyramidensystem

Was ist ein Pyramidensystem und wie erkennt man es?

Veröffentlicht am 20. Oktober 2026 · Überprüft am 3. November 2026 · 5 Min. Lesezeit

Ein Pyramidensystem ist ein System, in dem Sie für den Einstieg zahlen und daran verdienen, andere anzuwerben, die ebenfalls zahlen, nicht am Verkauf eines Produkts oder an einer echten Geldanlage. Deshalb verliert die Mehrheit immer: Das Geld der Basis wandert nach oben, bis keine neuen Teilnehmer mehr kommen. In Deutschland ist es nach dem UWG ausnahmslos unzulässig und als progressive Kundenwerbung strafbar, und das größte der Geschichte nach Zahl der Opfer, das MMM von Sergej Mawrodi, kostete 1994 nach Angaben der damaligen Presse 5 bis 10 Millionen Russen ihre Ersparnisse.

Wie funktioniert ein Pyramidensystem?

Fast alle folgen demselben Drehbuch:

  1. Die Einstiegsgebühr. Wer mitmachen will, muss zahlen: eine Anmeldung, ein „Starterpaket“, ein Schulungspaket oder eine Mindestmenge an Ware. Diese Gebühr ist der Treibstoff des Systems.
  2. Das Verdienstversprechen. Man erklärt Ihnen, dass Sie das Gezahlte zurückbekommen, und viel mehr, sobald Sie ein paar Leute mitbringen. Die Präsentationen zeigen Autos, Reisen und Erfahrungsberichte derer, die oben stehen.
  3. Das Anwerben. Jedes neue Mitglied zahlt seine Gebühr, ein Teil davon geht an den, der es geworben hat, und an die Ebenen darüber. Belohnt wird nicht das Verkaufen, sondern das Mitbringen von Menschen.
  4. Das Produkt als Alibi. Es existiert vielleicht gar nicht, oder es ist teuer, ohne echten Wert oder wird nur von den Mitgliedern selbst gekauft. Es soll das System wie ein Geschäft aussehen lassen.
  5. Die Erschöpfung. Jede Ebene braucht viel mehr Menschen als die vorige. Wenn das Anwerben stockt, können die Unteren ihr Geld nicht mehr zurückholen, und das System bricht zusammen.

Warum verliert die Mehrheit immer?

Aus Mathematik. Muss jeder Teilnehmer sechs Personen anwerben, um sein Geld zurückzubekommen, hat die erste Ebene 6 Mitglieder, die zweite 36, die dritte 216 und die zehnte mehr als 60 Millionen. Auf der dreizehnten Ebene bräuchte man mehr als 13 Milliarden Menschen, mehr, als auf der Erde leben. Lange vorher bleibt das System stehen, und wer auf den letzten Ebenen eingestiegen ist, und das ist immer die Mehrheit, verliert seinen Einsatz.

Das ist kein Fehler in der Ausführung, sondern das Konstruktionsprinzip. Eine Pyramide kann nicht für alle gut ausgehen, weil sie nie Wohlstand schafft; sie verschiebt ihn nur von denen, die spät kommen, zu denen, die früh kamen.

Was sagt das Gesetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

In Deutschland regelt es vor allem das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Nr. 14 seines Anhangs, der „schwarzen Liste“, erklärt stets für unzulässig: „die Einführung, der Betrieb oder die Förderung eines Systems zur Verkaufsförderung, bei dem vom Verbraucher ein finanzieller Beitrag für die Möglichkeit verlangt wird, eine Vergütung allein oder zumindest hauptsächlich durch die Einführung weiterer Teilnehmer in das System zu erlangen“. Das Gesetz nennt das ausdrücklich „Schneeball- oder Pyramidensystem“. Strafbar ist nach § 16 Abs. 2 UWG die progressive Kundenwerbung: Verbraucher mit dem Versprechen zum Kauf zu bewegen, sie erhielten besondere Vorteile, wenn sie weitere Käufer werben, die ihrerseits weitere werben sollen. Die Strafe: bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Wer dabei täuscht, um das Geld zu behalten, begeht außerdem Betrug nach § 263 StGB.

In Österreich stellt § 168a StGB „Ketten- oder Pyramidenspiele“ unter Strafe; wer dadurch eine größere Zahl von Menschen schwer schädigt, riskiert bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. In der Schweiz erklärt Art. 3 Abs. 1 lit. r UWG Schneeball-, Lawinen- und Pyramidensysteme für unlauter; das Kantonsgericht St. Gallen wertete 2020 Verträge aus einem solchen System als sittenwidrig und nichtig. Warnungen zu unerlaubten Anbietern veröffentlicht die FINMA.

Legal bleibt Multi-Level-Marketing: ein Netz von Vertriebspartnern, das an einer Marge auf Verkäufe an Endkunden verdient. Die Grenze zwischen beidem, mit einer Tabelle, finden Sie unter Schneeballsystem, Pyramidensystem und MLM: die Unterschiede.

Pyramidensystem: Beispiele, die Geschichte schrieben

  • Baldomera Larra (Madrid, 1876). Sie wird oft als Erfinderin des ersten dokumentierten Pyramidensystems genannt. Genau genommen funktionierte ihre Einlagenkasse wie ein Schneeballsystem: Sie versprach 30 % im Monat und bezahlte die Ersten mit dem Geld der Nächsten. Mehr im Fall Baldomera Larra.
  • MMM (Russland, 1994, und MMM Global bis 2018). Sergej Mawrodi verkaufte der breiten Öffentlichkeit, mit ständiger Fernsehwerbung, Anteilsscheine, deren Preis er selbst festlegte und die nur stiegen, solange neues Geld hereinkam; deshalb beschreiben viele Fachleute MMM auch als Schneeballsystem. Als es im Juli 1994 zusammenbrach und Mawrodi wegen Steuerhinterziehung festgenommen wurde, verteidigten ihn viele Opfer, und noch im selben Jahr wurde er in die Duma gewählt, was ihm Immunität verschaffte. 2007 wurde er wegen Betrugs zu viereinhalb Jahren verurteilt. Seine globale Version erreichte 2016 Nigeria, wo sie rund drei Millionen Betroffene hinterließ. Die ganze Geschichte im Fall Sergej Mawrodi und MMM.
  • OneCoin (2014–2017). Ruja Ignatova verkaufte „Bildungspakete“ mit einer Kryptowährung ohne echte Blockchain, und die Vertriebsleute verdienten am Anwerben anderer. Nach Angaben des FBI, das sie 2022 auf seine Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen setzte, übertraf der Betrug 4 Milliarden Dollar. Sie verschwand im Oktober 2017 und wird bis heute gesucht. Mehr im Fall Ruja Ignatova und OneCoin.

Achten Sie auf das Muster: Das Produkt wechselt (Anteilsscheine, Pakete, Kryptowährungen), der Mechanismus nicht. Wer das Thema lieber sieht als liest: Die Folgen von MATERIUM zu Mawrodi und zur Kryptoqueen sind eine Pyramidensystem-Doku in zwei Teilen.

Pyramidensystem erkennen: fünf Fragen vor dem Einstieg

Stellen Sie sich diese Fragen, bevor Sie zahlen:

  • Werde ich für das Anwerben bezahlt? Hängt ein wichtiger Teil Ihres möglichen Verdienstes davon ab, wie viele Menschen Sie anwerben, ist das das Hauptsignal.
  • Muss ich für den Einstieg zahlen? Eine Gebühr, ein Paket oder ein Pflichtkauf, um Ihren Platz zu „aktivieren“.
  • Würde jemand von außen das Produkt kaufen? Kaufen es nur die Mitglieder, oder kostet es viel mehr als etwas Vergleichbares im Laden, ist das Produkt das Alibi.
  • Setzt man mich mit Eile und Lebensstil unter Druck? Begrenzte Plätze, Events mit Musik, Autos und Reisen als Beweis.
  • Soll ich nicht darüber reden? Oder nicht auf „die, die es nicht verstehen“ hören: Familie, Ihre Bank, die Presse.

Im Zweifel verlangen Sie schriftlich, wie genau das versprochene Geld entsteht, und prüfen Sie es außerhalb des Umfelds dessen, der es Ihnen anbietet. Die Verbraucherzentrale rät, keine Angebote anzunehmen, bei denen Sie andere Teilnehmer gewinnen sollen, und Schneeball- und Pyramidensysteme der Polizei zu melden, auch über die Onlinewache. Prüfen Sie das Angebot mit dem Betrugs-Check von MATERIUM und suchen Sie den Anbieter, wenn er sich als Geldanlage ausgibt, in der Unternehmensdatenbank und den Warnungen der BaFin, in Österreich bei der FMA, in der Schweiz auf der Warnliste der FINMA.

Häufige Fragen

Was ist ein Pyramidensystem?

Ein System, in dem Sie für den Einstieg zahlen und vor allem daran verdienen, andere anzuwerben, die ebenfalls zahlen, nicht am Verkauf eines echten Produkts. Weil die Zahl der Menschen, die man anwerben kann, begrenzt ist, verliert die Mehrheit der Teilnehmer immer.

Sind Pyramidensysteme in Deutschland verboten?

Ja. Nach Nr. 14 des Anhangs zum UWG ist ein Schneeball- oder Pyramidensystem stets unzulässig, und § 16 Abs. 2 UWG stellt die sogenannte progressive Kundenwerbung unter Strafe, mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Wer dabei täuscht, um das Geld zu behalten, begeht außerdem Betrug nach § 263 StGB. In Österreich verbietet § 168a StGB Ketten- und Pyramidenspiele.

Wie erkennt man ein Pyramidensystem?

Achten Sie darauf, woher Ihr Gewinn kommt. Werden Sie für jede angeworbene Person bezahlt, müssen Sie für den Einstieg eine Gebühr oder ein Paket kaufen und ist das Produkt Nebensache, teuer oder außerhalb des Netzwerks kaum verkäuflich, ist es eine Pyramide, auch wenn es sich Network-Marketing nennt.

Was war das größte Pyramidensystem der Geschichte?

Nach Zahl der Geschädigten das MMM von Sergej Mawrodi im Russland der 1990er-Jahre, mit 5 bis 10 Millionen Betroffenen laut der Presse der Zeit. Nach Geld OneCoin, das nach Angaben des FBI zwischen 2014 und 2017 mehr als 4 Milliarden Dollar einsammelte.

Ist Multi-Level-Marketing dasselbe wie eine Pyramide?

Nein. Legales Multi-Level-Marketing verdient am Verkauf von Produkten an Endkunden. Zur Pyramide wird es, wenn das Geld hauptsächlich aus den Beiträgen neuer Mitglieder stammt; genau das verbietet das UWG.

Quellen

Informationsangebot: keine Finanz- oder Rechtsberatung. Vor einer Anlageentscheidung wenden Sie sich an eine zugelassene Fachperson.