Fake-Werbung mit Promis, die Ihnen eine Plattform empfehlen, die sie „reich gemacht“ habe, ist Betrug: Werbung mit bekannten Gesichtern ist kein Beweis für Seriosität, warnt die Verbraucherzentrale, und oft wissen die Prominenten nicht einmal, dass ihr Bild oder ihre Stimme missbraucht wird. Viele dieser Anzeigen arbeiten mit Videos, die per künstlicher Intelligenz manipuliert sind (Deepfakes), oder mit Seiten, die echte Zeitungen nachahmen, und alle enden bei einem unseriösen Anbieter, der Ihre Daten und Ihr Geld will. Sie müssen keinen Deepfake erkennen können: Es genügt zu wissen, dass Ihnen kein echter Promi so eine Geldanlage verkauft.
Wie funktioniert die Deepfake-Betrugsmasche mit Promis?
Fast alle Fälle folgen demselben Weg:
- Der Köder. Eine Anzeige oder ein Beitrag in den sozialen Medien mit dem Gesicht eines Promis, oft mit einer reißerischen Schlagzeile oder angeblichen „Enthüllungen“.
- Die falsche Nachricht. Der Klick führt auf eine Seite, die professionell wirkt, so die Verbraucherzentrale, mit Logos, Kundenbewertungen oder angeblichen Presseberichten, manchmal im Design eines bekannten Mediums.
- Das Video oder die Stimme. Mithilfe von KI werden täuschend echte Bilder, Videos oder Audios erzeugt, in denen der Promi scheinbar einen Finanztipp gibt: der Deepfake.
- Das Formular. Die „Nachricht“ verlinkt auf die Website eines Anbieters ohne Erlaubnis, der Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer verlangt.
- Der Anruf. Ein „Berater“ ruft an, verlangt eine kleine erste Einzahlung, zeigt Ihnen Gewinne auf einem Bildschirm und will mehr. Wenn Sie abheben möchten, tauchen Gebühren und Steuern auf.
Das ist keine Theorie. Die Stiftung Warentest dokumentierte 2026 ein Video, in dem Bundeskanzler Friedrich Merz im Sommer 2025 für die Plattform „Traderium AI“ zu werben schien. Die Bilder stammten aus einer echten Rede vor Wirtschaftsführern in Davos, die Stimme hatte eine KI nachgeahmt. Laut Stiftung Warentest locken solche Plattformen mit geringen Mindestsummen wie 250 Euro, damit das Risiko überschaubar wirkt. Die Verbraucherzentrale nennt außerdem Namen wie Günther Jauch, Frank Thelen, Barbara Schöneberger oder Dieter Bohlen, die oft für erfundene Erfolgsgeschichten verwendet werden. Und die Ermittler kommen kaum hinterher: Anfang Oktober 2025 beschlagnahmten Staatsanwaltschaften und Polizei nach Angaben der Stiftung Warentest 1.400 illegale Domains, ohne damit alle dubiosen Tradingplattformen zu erwischen.
Fake-Werbung mit Promis erkennen
Die wichtigen Warnsignale sind nicht technisch:
- Ein Promi erzählt Ihnen, wie man reich wird. Das ist das Hauptsignal. Die BaFin erinnert daran, dass auch echte FinFluencer in der Regel eine Provision von dem Unternehmen erhalten, über dessen Produkte sie berichten. Bei Deepfakes wissen die Promis nicht einmal davon.
- Schnelle und garantierte Gewinne mit „künstlicher Intelligenz“, einem „Algorithmus“ oder einem „Trading-Roboter“.
- Die Website ist nicht die des Mediums. Lesen Sie die vollständige Adresse: Gibt sich die Seite als Spiegel, Tagesschau oder Sportzeitung aus und lautet die Adresse anders, ist sie falsch. Fehlendes Impressum, ausländische Domains und viele Rechtschreibfehler nennt die Verbraucherzentrale ausdrücklich als Warnzeichen.
- Zeitdruck und Exklusivität. „Nur für die ersten 100“, „schließt heute“, „WhatsApp-Gruppe mit begrenzten Plätzen“. Die BaFin rät zu besonderer Vorsicht, wenn Sie für Anlagetipps in private Gruppen auf WhatsApp oder Telegram wechseln sollen.
- Man will Ihre Daten, damit man Sie anrufen kann. Keine seriöse Geldanlage beginnt mit einem Formular unter einem Artikel.
- Das Unternehmen steht nicht in der Unternehmensdatenbank der BaFin oder taucht in ihren Warnmeldungen auf. In Österreich prüfen Sie bei der FMA, in der Schweiz auf der Warnliste der FINMA.
Wollen Sie sich das Video trotzdem ansehen, gibt es Hinweise auf Manipulation: Mimik oder Lippenbewegungen, die nicht ganz zum Gesagten passen, eine Stimme oder Betonung, die plötzlich „anders“ klingt, Sprünge in Ton und Bild. Aber Deepfakes werden jeden Monat besser, und auf dem kleinen Handybildschirm fallen Fehler kaum auf. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Augen. Verlässlich ist die Prüfung von außen: das offizielle Konto des Promis, die Startseite des Mediums und die Datenbank der Aufsicht.
Was tun, wenn Sie eine solche Anzeige sehen?
- Klicken Sie nicht und hinterlassen Sie keine Daten.
- Machen Sie einen Screenshot und melden Sie die Anzeige im sozialen Netzwerk über ihr Menü, etwa als „irreführend“ oder „Betrug“. Je mehr Meldungen, desto schneller wird sie entfernt.
- Prüfen Sie den Anbieter bei der BaFin, in ihrer Unternehmensdatenbank und in ihren Warnmeldungen, und sprechen Sie im Zweifel mit der Beratung der Verbraucherzentrale.
- Warnen Sie Ihr Umfeld, vor allem ältere Angehörige, an die sich diese Kampagnen besonders richten. Wie Sie darüber sprechen, ohne jemanden bloßzustellen, erklären wir unter Betrug an Senioren.
In Österreich sammelt die Watchlist Internet aktuelle Warnungen zu Online-Betrug, in der Schweiz informiert die Polizei auf cybercrimepolice.ch.
Was tun, wenn Sie schon Daten oder Geld gegeben haben?
- Haben Sie nur Daten angegeben, rechnen Sie mit Anrufen: Legen Sie auf, installieren Sie keine Fernwartungssoftware wie TeamViewer oder AnyDesk und geben Sie keine Codes weiter. Das rät auch die Polizei bei Cybertrading-Betrug.
- Haben Sie gezahlt, rufen Sie noch heute Ihre Bank an, sichern Sie Screenshots der Anzeige, der Website und der Nachrichten und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, auch online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Schritt für Schritt erklären wir das unter Betrogen worden – was tun?.
- Zahlen Sie nie, um Geld zurückzubekommen. Nach solchen Betrugsfällen melden sich oft falsche Anwälte oder angebliche Behördenmitarbeiter, die Ihnen gegen eine Gebühr Ihr Geld zurückholen wollen. Das ist der zweite Betrug, der Recovery Scam.
Derselbe Trick, ein Jahrhundert alt
Mit fremdem Ruhm heiße Luft zu verkaufen, hat nicht die KI erfunden. 2017 wurde das Fyre Festival mit Models und Influencern verkauft, die eine luxuriöse Privatinsel bewarben; laut der Klage des Insolvenzverwalters kennzeichnete fast keiner von ihnen seinen Beitrag als bezahlte Werbung, und auf der Insel gab es nichts. Das Gesetz der Täuschung Nr. 10: „Wenn Promis es bewerben, fragt keiner, ob es existiert.“
Schon davor zeigte Lou Pearlman seinen Anlegern die Boybands, die er geschaffen hatte, die Backstreet Boys und NSYNC, während er ihnen einen Sparplan mit Versicherungen verkaufte, die es nicht gab. Die Bands schufen den Betrug nicht: Sie gaben ihm ein Schaufenster. Das Gesetz der Täuschung Nr. 13 sagt alles: „Fremder Ruhm ist keine Garantie für dein Geld.“ Der Deepfake hat das Schaufenster nur billiger gemacht: Man muss den Promi nicht mehr engagieren, es genügt, sein Gesicht zu kopieren.
Warum es funktioniert
Diese Anzeigen ziehen zwei der fünf Hebel, die wir bei MATERIUM untersuchen: die Autorität („Wenn ein bekannter Mensch das sagt, wird es stimmen“) und die Angst, etwas zu verpassen („Andere werden schon reich“). Viele dieser Kampagnen verkaufen Kryptowährungen oder Trading-Plattformen: Ist das Ihr Fall, lesen Sie auch unseren Ratgeber zum Krypto-Betrug. Und vor jeder Geldanlage sollten Sie wissen, wie Sie die BaFin-Zulassung prüfen: Das ist die Prüfung, die kein Video fälschen kann, so perfekt es auch sein mag.
Häufige Fragen
Ist Werbung echt, in der Promis eine Geldanlage empfehlen?
Anzeigen, in denen ein Promi verspricht, Sie mit einer Investment- oder Krypto-Plattform reich zu machen, sind gefälscht. Die Verbraucherzentrale warnt: Werbung mit bekannten Gesichtern ist kein Beweis für Seriosität, und oft wissen die Prominenten nicht einmal, dass ihr Bild oder ihre Stimme missbraucht wird.
Was ist Deepfake-Betrug mit Promis?
Ein mit künstlicher Intelligenz manipuliertes Video oder Audio, in dem ein Promi oder ein Politiker etwas zu sagen scheint, das er nie gesagt hat, etwa dass er in eine Wunderplattform investiert. Es soll einem unseriösen Online-Broker Glaubwürdigkeit verschaffen.
Welche Promis wurden in Deutschland für Fake-Werbung missbraucht?
Laut Verbraucherzentrale werden oft Namen wie Günther Jauch, Frank Thelen, Barbara Schöneberger oder Dieter Bohlen verwendet. Die Stiftung Warentest dokumentierte 2026 ein gefälschtes Video, in dem eine KI-Stimme Bundeskanzler Friedrich Merz eine Trading-Plattform empfehlen ließ. Keiner von ihnen hat diese Angebote beworben.
Wie melde ich Fake-Werbung mit Promis?
Melden Sie die Anzeige direkt im sozialen Netzwerk über das Menü der Anzeige und machen Sie vorher einen Screenshot. Haben Sie gezahlt oder Daten preisgegeben, rufen Sie sofort Ihre Bank an und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, auch online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes.
Kann ich der Anzeige trauen, wenn sie auf einer bekannten Nachrichtenseite erscheint?
Nein. Viele dieser Anzeigen führen auf Seiten, die das Design echter Medien kopieren. Prüfen Sie, ob die Adresse wirklich die des Mediums ist, und suchen Sie den Artikel selbst über dessen Startseite.
Quellen
- Verbraucherzentrale, Täuschend echt: Wie Kriminelle Deepfakes mit Promis für Fake-Werbung nutzen
- Stiftung Warentest, Cybertrading-Betrug: Abzocke mit gefälschtem Video von Friedrich Merz (23. April 2026)
- BaFin, Anlagetipps in den sozialen Medien
- BaFin, Warnmeldungen
- BaFin, Unternehmensdatenbank
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Cybertrading-Betrug
- Polizei, Onlinewachen der Polizeien in Deutschland
- Verbraucherzentrale, Beratung
- Watchlist Internet (Österreich), Warnungen zu Online-Betrug
- cybercrimepolice.ch, Informationen der Schweizer Polizei zu Internetbetrug
Informationsangebot: keine Finanz- oder Rechtsberatung. Vor einer Anlageentscheidung wenden Sie sich an eine zugelassene Fachperson.