Ein Recovery Scam ist ein zweiter Betrug an Menschen, die schon Geld verloren haben: Jemand verspricht, das Gestohlene gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen, und wenn Sie zahlen, verlangt er mehr oder verschwindet. Das FBI warnt seit 2023 vor der Zunahme dieser Masche unter Opfern von Krypto-Betrug, die allein 2022 Verluste von mehr als 2,5 Milliarden Dollar gemeldet hatten. Die Regel ist einfach: Keine Behörde verlangt Geld dafür, Ihr Geld zurückzuholen, niemand Seriöses ruft Sie an, um es Ihnen anzubieten, und niemand kann Ihnen garantieren, dass Sie es zurückbekommen. Auch MATERIUM nicht: Wir kontaktieren keine Opfer und bieten keine Rückholung von Geld an, weder gegen Bezahlung noch umsonst.
Was ist ein Recovery Scam?
Im Englischen heißt die Masche auch Recovery Room, im Deutschen spricht man von Rückholbetrug. Die BaFin beschreibt das typische Muster: Nicht lizenzierte Online-Handelsplattformen drängen Verbraucher, immer mehr Geld zu investieren, das meist unwiederbringlich verloren ist. Später melden sich oft weitere Kriminelle, die sich als Helfer ausgeben, behaupten, im Auftrag der BaFin zu handeln, und versprechen, das verlorene Geld zurückzuholen. Dafür verlangen sie eine Vorauszahlung: Honorar, Steuern, eine Kaution, eine Versicherungsprämie. Die britische Finanzaufsicht FCA ergänzt, dass sich die Täter häufig als Aufsichtsbehörde, Regierung oder Polizei ausgeben.
Das ist besonders grausam, weil die Masche Menschen im schlimmsten Moment trifft: das Geld verloren, voller Scham und mit dem dringenden Wunsch, es wieder in Ordnung zu bringen.
Wie funktioniert der Rückholbetrug, Schritt für Schritt?
- Der Kontakt. Man ruft Sie an, schreibt Ihnen per WhatsApp oder in sozialen Medien, oder findet Sie über einen Kommentar in einem Forum. Manchmal stoßen Sie selbst auf die Anzeige: Das FBI warnt vor Werbung für „Krypto-Rückholung“ in Suchmaschinen, sozialen Netzwerken und Kommentarspalten.
- Die Glaubwürdigkeit. Die Täter kennen Ihren Fall: den Betrag, die Daten, die Firma, die Sie betrogen hat. Laut FBI ist das häufig, weil es dieselben Betrüger sein können oder weil sie Opferlisten gekauft haben.
- Die Autorität. Sie geben sich als Anwälte aus, als internationale Agentur, als Kanzlei, die „mit dem FBI“, mit der BaFin oder mit Europol „zusammenarbeitet“. Sie nutzen gefälschte Briefköpfe echter Kanzleien oder Behörden oder nennen Stellen, die es nicht gibt. Die BaFin berichtet, dass bei solchen Anrufen sogar ihre echte Telefonnummer auf dem Display erschien.
- Die gute Nachricht. „Wir haben Ihr Geld gefunden“, „es liegt auf einem Konto im Ausland“, „das Gericht hat zu Ihren Gunsten entschieden“.
- Die Zahlung. Um das Geld freizugeben, müssen Sie vorher zahlen: eine Provision, Steuern, eine Prüfgebühr. Oft in Kryptowährungen oder mit Geschenkkarten.
- Die Eskalation. Nach der ersten Zahlung taucht das nächste Hindernis auf. Das FBI ergänzt, dass die Täter manchmal persönliche Daten und Bankdaten verlangen, um „Ihre Identität zu prüfen“, und der Diebstahl so weitergeht.
Recovery Scam erkennen: die Warnsignale
- Man kontaktiert Sie unaufgefordert, um Ihnen anzubieten, Ihr Geld zurückzuholen.
- Sie sollen im Voraus zahlen, egal wofür, bevor Sie etwas zurückbekommen.
- Man garantiert Ihnen das Ergebnis. Das kann niemand.
- Man behauptet, mit der Polizei, dem FBI, der BaFin oder einem Gericht zusammenzuarbeiten. Die BaFin holt kein Geld zurück, beauftragt keine Firmen damit und erhebt keine Gebühren oder Steuern für Auszahlungen.
- Sie sollen in Kryptowährungen oder mit Geschenkkarten zahlen.
- Man sagt Ihnen, Ihr Geld liege bei einer ausländischen Bank, und Sie sollen dort über deren Website ein Konto eröffnen.
- Man holt Sie „zur Sicherheit“ in eine WhatsApp- oder Telegram-Gruppe.
- Man verlangt Verschwiegenheit oder drängt Sie, noch heute zu entscheiden.
- Man will per Fernwartung auf Ihren Computer, etwa mit AnyDesk oder TeamViewer. Die Polizei rät ausdrücklich, das nicht zu erlauben.
Wenn Sie so ein Angebot erhalten, prüfen Sie es mit dem Betrugs-Check.
Krypto-Betrug, Geld zurück? Was echte Fälle zeigen
Die falschen Anwaltskanzleien (USA, 2023–2025). Das FBI hat drei Warnungen zu Firmen und angeblichen Kanzleien veröffentlicht, die Opfern von Krypto-Betrug anbieten, ihre Gelder aufzuspüren und zurückzuholen. Sie kassieren eine Anfangsgebühr und melden sich dann nicht mehr, oder sie liefern einen unvollständigen Ermittlungsbericht und verlangen mehr Geld. Die Warnung von 2025 ergänzt, dass sie vor allem ältere Menschen ins Visier nehmen, sich als „autorisierte Partner“ von Behörden ausgeben und sogar Agenturen erfinden, etwa eine angebliche „International Financial Trading Commission“. Das FBI erinnert daran, dass private Firmen keine Beschlagnahme von Kryptowährungen anordnen können.
Betrug mit dem Namen der BaFin (Deutschland). Die BaFin warnt, dass sich Betrüger am Telefon oder per E-Mail als ihre Mitarbeiter ausgeben und gefälschte Schreiben mit BaFin-Briefkopf oder -Logo verschicken. In einigen Fällen erschien auf dem Display die Faxnummer der BaFin; im September 2026 warnte die Behörde, dass Täter per Call-ID-Spoofing auch die Nummer ihres Verbrauchertelefons nutzen. Die BaFin stellt klar: Sie übernimmt nicht die Rückholung verlorener Investitionen, Kryptoerträge oder Betrugsschäden, beauftragt keine externen Firmen damit und erhebt keine Steuern oder Gebühren für die Auszahlung von Kryptowährungen. Oft entlarvt schon die schlechte Qualität der angeblichen BaFin-Dokumente die Fälschung.
Nach den großen Fällen. Nach dem Zusammenbruch von Betrugssystemen wie OneCoin oder FTX sind die Opfer ein naheliegendes Ziel für solche Angebote. Echte Rückzahlungen kommen auf anderem Weg: über den Insolvenzverwalter von FTX, den Opferfonds im Fall Madoff, der mehr als 4 Milliarden Dollar ausgeschüttet hat, oder, bei OneCoin, über das deutsche Strafverfahren, in dem nach Angaben der Börsen-Zeitung rund 10,1 Millionen Euro aus dem Vermögen von Ruja Ignatova zugunsten der Geschädigten eingezogen wurden. Diese Verfahren werden von Gerichten und Behörden geführt und nicht am Telefon verkauft. Mehr dazu unter Krypto-Betrug.
Warum funktioniert diese Masche?
Weil der Betrüger Ihre Gefühle gegen Sie wendet: die Scham, hereingefallen zu sein, die Sie drängt, es zu reparieren, ohne jemandem davon zu erzählen; die Autorität dessen, der sich als Anwalt oder Beamter ausgibt; und die Hoffnung, die eine weitere Zahlung vernünftig erscheinen lässt, wenn damit alles zurückkommt. Es sind dieselben Hebel wie beim ersten Betrug, nur wiederverwendet. Das erklären wir in den Gesetzen der Täuschung, allen voran Nr. 16: „Dass du dein Geld zurückbekommst, heißt nicht, dass es nicht gestohlen wurde.“
Was wirklich hilft, wenn Sie betrogen wurden
- Zahlen Sie niemandem, der verspricht, Ihr Geld zurückzuholen, so überzeugend er auch wirkt.
- Informieren Sie sofort Ihre Bank: In manchen Fällen kann sie versuchen, eine Zahlung zu stoppen oder zurückzufordern.
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, mit allen Beweisen, auch online über die Onlinewache Ihres Bundeslandes. Gibt sich jemand als Polizist oder BaFin-Mitarbeiter aus, rufen Sie selbst die offizielle Nummer an, um es zu prüfen.
- Melden Sie es der Aufsicht. In Deutschland der BaFin, in Österreich der FMA, in der Schweiz der FINMA. In Österreich sammelt außerdem die Watchlist Internet Warnungen zu solchen Maschen.
- Wenn Sie vor Gericht ziehen wollen, suchen Sie selbst einen Rechtsanwalt aus und prüfen Sie seine Zulassung im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer. Nehmen Sie niemanden, der Sie gefunden hat.
- Holen Sie sich Unterstützung. Die Verbraucherzentralen beraten zu Finanzthemen, und es hilft, einer Vertrauensperson davon zu erzählen: Scham schützt den Betrüger, nicht Sie.
Die vollständige Anleitung finden Sie unter Betrogen worden – was tun?, und bevor Sie irgendjemanden beauftragen, können Sie die BaFin-Zulassung prüfen.
Häufige Fragen
Was ist ein Recovery Scam?
Ein zweiter Betrug an Menschen, die schon betrogen wurden. Jemand gibt sich als Anwalt, Ermittlungsfirma, Agentur oder sogar als Aufsichtsbehörde aus und verspricht, das verlorene Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen. Danach verlangt er weitere Zahlungen oder verschwindet.
Gibt es Firmen, die Geld nach einem Betrug zurückholen?
Misstrauen Sie allen, die Sie kontaktieren oder Ihnen Ergebnisse versprechen. Das FBI warnt, dass private Firmen keine Beschlagnahme von Kryptowährungen anordnen können und Rückhol-Angebote meist Betrug sind. Die BaFin holt kein verlorenes Geld zurück und beauftragt auch keine Firmen damit. MATERIUM bietet keine Rückholung an und verlangt dafür nie Geld.
Wie bekomme ich mein Geld nach einem Betrug zurück?
Nur über offizielle Wege: Informieren Sie sofort Ihre Bank, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und suchen Sie, wenn Sie vor Gericht ziehen wollen, selbst einen Rechtsanwalt aus, dessen Zulassung Sie im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis prüfen. Niemand kann Ihnen garantieren, dass Sie es zurückbekommen.
Kann mich die BaFin oder die Polizei anrufen, um mir mein Geld zurückzugeben?
Nein. Die BaFin betont, dass sie keine verlorenen Investitionen, Kryptoerträge oder Betrugsschäden zurückholt und keine Gebühren oder Steuern für die Auszahlung von Kryptowährungen erhebt. Betrüger nutzen sogar echte BaFin-Nummern auf dem Display. Legen Sie auf und rufen Sie selbst die offizielle Nummer an.
Warum wissen die Betrüger so viel über meinen Fall?
Weil es manchmal dieselben Täter sind, die Sie schon betrogen haben, oder weil sie Opferlisten kaufen. Laut FBI kennen diese falschen Kanzleien Beträge, Daten und Firmen des ersten Betrugs, um glaubwürdig zu wirken. Dass sie Details kennen, beweist nicht, dass sie echt sind.
Quellen
- FBI IC3, Warnung vor Firmen, die angeblich verlorene Kryptowährung zurückholen (11.08.2023)
- FBI IC3, falsche Anwaltskanzleien bieten an, Gelder zurückzuholen (24.06.2024)
- FBI IC3, Aktualisierung: Warnsignale falscher Rückhol-Kanzleien (13.08.2025)
- FCA (Vereinigtes Königreich), Recovery room scams
- BaFin, Betrug mit dem Namen der Bafin
- BaFin, Warnung vor gefälschten Anrufen des Verbrauchertelefons (18.09.2026)
- Polizeiliche Kriminalprävention (polizei-beratung.de), Cybertrading-Betrug
- Börsen-Zeitung, „Onecoin: Betrugsopfer erhalten 10 Mill. Euro zurück“ (2026)
- US-Justizministerium, Ausschüttung von mehr als 4 Milliarden an Madoff-Opfer (2022)
- Bundesrechtsanwaltskammer, Bundesweites Amtliches Anwaltsverzeichnis
- Polizei, Onlinewachen der Polizeien in Deutschland
- Verbraucherzentrale, Beratung
- Watchlist Internet (Österreich), Warnungen zu Online-Betrug
- FMA Österreich, Warnungen
- FINMA, Warnliste
Informationsangebot: keine Finanz- oder Rechtsberatung. Vor einer Anlageentscheidung wenden Sie sich an eine zugelassene Fachperson.