„Fake it till you make it“ („Tu so, als ob, bis du es schaffst“) ist das Motto, mit dem viele Gründer rechtfertigen, heute zu verkaufen, was sie morgen zu haben hoffen. Zum Betrug wird es, wenn Tatsachen vorgetäuscht werden: ein Produkt, das nicht funktioniert, Umsätze, die es nicht gibt, oder Geld, das nicht dort ist, wo es angeblich liegt. Theranos war 2014 neun Milliarden Dollar wert, mit einem Gerät, das nach Angaben der SEC etwa zwölf der mehr als 200 Tests aus seinem Katalog beherrschte; 2022 wurde Gründerin Elizabeth Holmes wegen Betrugs an ihren Investoren zu 135 Monaten Haft verurteilt, eine Strafe, die der Richter 2026 auf 123 Monate senkte.
Was ist Startup-Betrug?
Die Täuschung von Investoren, Kunden oder Partnern durch ein junges Unternehmen, das als real ausgibt, was es noch nicht ist. Mit Scheitern hat das nichts zu tun. Die meisten Startups, die schließen, haben niemanden getäuscht: Sie haben gewettet, sich geirrt und verloren, und ihre Investoren wussten, dass das passieren kann. Das ist die Regel des Risikokapitals. Betrug beginnt, wenn das Risiko, das der Investor zu tragen glaubt, nicht das echte ist, weil man ihm Daten verschwiegen oder erfunden hat.
Wo liegt die Grenze zwischen Zukunft verkaufen und Lügen?
So lässt sie sich einfach erkennen:
| Optimismus (legitim) | Betrug (strafbar) |
|---|---|
| „Unsere Analyse wird die Medizin verändern“ | „Unser Gerät macht schon Hunderte Tests“, obwohl es sie nicht macht |
| „Wir erwarten in drei Jahren Millionenumsätze“ | Millionenumsätze vorzeigen, wo Tausende erzielt wurden |
| „Wir werden die sicherste Krypto-Börse“ | Versprechen, dass das Geld dem Kunden gehört, und es heimlich verwenden |
| Eine Prognose, die sich nicht erfüllt | Ein gefälschtes Dokument, damit es aussieht, als hätte sie sich erfüllt |
Die US-Justiz unterscheidet zwischen allgemeiner Werbeübertreibung, die nicht bestraft wird, und konkreten, falschen Aussagen über Tatsachen, die ein vernünftiger Investor berücksichtigen würde. Gescheiterte Prognosen sind keine Straftat; erfundene Daten schon.
Wie wird aus Optimismus Betrug, Schritt für Schritt?
- Die Vision. Eine große, attraktive Idee, ein charismatischer Gründer, eine Geschichte, die die Medien gern erzählen.
- Die Lücke. Produkt oder Geschäft kommen nicht im versprochenen Tempo voran.
- Die Abkürzung. Statt die Verzögerung einzuräumen, wird geschönt: eine vorbereitete Vorführung, eine aufgerundete Zahl, eine Referenz, die nicht ganz stimmt.
- Die Abhängigkeit. Jede Finanzierungsrunde verlangt, die alte Geschichte aufrechtzuerhalten und zu übertreffen. Zurück geht es nur noch mit einem Geständnis.
- Der Schild der Autorität. Prominente Aufsichtsräte, bekannte Investoren und Titelseiten ersetzen die technische Prüfung.
- Der Fall. Ein Journalist, ein Mitarbeiter oder eine Liquiditätskrise öffnet die Kiste.
Betrügerische Startups rechtzeitig erkennen
- Niemand Unabhängiges hat das Produkt arbeiten sehen. Es gibt nur Vorführungen unter der Kontrolle des Unternehmens.
- Geheimhaltung dient als Ausrede, damit Fachleute nichts prüfen können.
- Ein Gremium voller Prominenter ohne Fachleute aus der Branche.
- Umsätze, die sich nicht mit Dokumenten Dritter belegen lassen.
- Das Geld der Kunden ist nicht getrennt und wird nicht von einem Dritten verwahrt.
- Feindseligkeit gegenüber Fragen und Druck auf Mitarbeiter oder Journalisten, die zweifeln.
- Influencer oder Promis, die werben, ohne zu sagen, dass sie dafür bezahlt werden.
Wenn Sie überlegen zu investieren, prüfen Sie das Angebot mit dem Betrugs-Check.
Was geschah bei Theranos, Fyre und FTX?
Theranos (2003–2018). Elizabeth Holmes versprach Hunderte Analysen aus einem Tropfen Blut. Nach Angaben der SEC beherrschte das Gerät Edison etwa zwölf Tests, der Rest lief auf handelsüblichen Geräten anderer Hersteller. In ihrem Aufsichtsgremium saßen ehemalige Außenminister und Generäle, aber kein Fachmann für Labordiagnostik. Im Prozess räumte sie ein, selbst Logos von Pharmakonzernen in Validierungsberichte eingefügt zu haben, die diese Unternehmen nicht geschrieben hatten. Eine Jury sprach sie 2022 in vier Anklagepunkten des Betrugs an Investoren schuldig und in den Punkten zu Patienten frei; ihr Stellvertreter Ramesh Balwani wurde in allen Punkten verurteilt, auch denen zu Patienten. Mehr im Fall Elizabeth Holmes, mit ihrem Gesetz der Täuschung Nr. 15: „Versprich die Zukunft, und niemand prüft die Gegenwart.“
Fyre Festival (2016–2017). Das Luxusfestival auf den Bahamas wurde mit Supermodels und Influencern verkauft und endete in Zelten. Doch die Straftat, die Billy McFarland ins Gefängnis brachte, war nicht das Desaster des Festivals, sondern die Täuschung seiner Investoren: Nach Angaben der SEC sprach er von Millionenumsätzen, während die Firma rund 57.000 Dollar eingenommen hatte. 2018 wurde er zu sechs Jahren verurteilt, auch weil er gefälschte Tickets verkaufte, während er auf Kaution frei war. Siehe den Fall Billy McFarland: „Wenn Promis es bewerben, fragt keiner, ob es existiert.“
FTX (2019–2022). Die Krypto-Börse von Sam Bankman-Fried war ein echtes Geschäft mit echten Kunden. Der Betrug bestand nach Angaben der Staatsanwaltschaft darin, dass rund 8 Milliarden Dollar an Kundeneinlagen bei seinem Fonds Alameda Research landeten, obwohl der Vertrag festhielt, dass diese Werte jederzeit den Kunden gehörten. Der Sanierer, der FTX nach der Pleite übernahm, John J. Ray III, erklärte, er habe noch nie ein so vollständiges Versagen der Kontrollen gesehen. Bankman-Fried wurde 2024 zu 25 Jahren verurteilt. Wir erzählen die Geschichte im Fall Sam Bankman-Fried.
Keiner der drei wurde verurteilt, weil er groß geträumt hat. Alle drei wurden verurteilt, weil sie über das gelogen haben, was sie schon hatten.
Warum fallen erfahrene Investoren darauf herein?
Weil diese Betrügereien Autorität (das prestigeträchtige Gremium, der berühmte Investor, der schon eingestiegen ist), die Angst, das nächste große Unternehmen zu verpassen, und das Vertrauen in einen charismatischen Gründer aktivieren. Und weil niemand derjenige sein will, der das Offensichtliche fragt. Die Gesetze der Täuschung erklären, warum eine glänzende Verpackung die Prüfung ausschaltet.
Was sollten Sie tun, bevor Sie in ein Startup investieren?
- Prüfen Sie den Vertriebsweg. Suchen Sie die Plattform oder den Anbieter in der Unternehmensdatenbank der BaFin und in ihren Warnmeldungen; in Österreich bei der FMA, in der Schweiz bei der FINMA. Der Fake-Check Geldanlage der Verbraucherzentralen gibt eine erste Einschätzung zu konkreten Beteiligungsangeboten.
- Verlangen Sie Belege Dritter: Prüfberichte, Verträge mit echten Kunden, eine Vorführung vor einem unabhängigen Fachmann.
- Investieren Sie nur, was Sie verlieren können. Auch ohne Betrug schaffen es die meisten Startups nicht.
- Misstrauen Sie der Eile, die Runde zu schließen, und der Geheimhaltung als Argument.
- Glauben Sie, getäuscht worden zu sein, sichern Sie die Unterlagen, lassen Sie sich von einer Anwältin oder einem Anwalt Ihrer Wahl beraten und erstatten Sie Anzeige. Mehr dazu unter Betrogen worden – was tun?
Häufige Fragen
Was bedeutet „Fake it till you make it“?
Eine englische Redewendung, etwa „Tu so, als ob, bis du es schaffst“. In der Gründerszene ermutigt sie dazu, selbstbewusster aufzutreten, als man sich fühlt, während das Projekt wächst. Auf Zahlen oder auf das Produkt angewendet, das man Investoren und Kunden zeigt, ist sie kein Rat zur Haltung mehr und kann zum Betrug werden.
Wo liegt bei einem Startup die Grenze zwischen Optimismus und Betrug?
Bei den Tatsachen. Zu versprechen, dass ein Produkt die Welt verändern wird, ist eine Meinung über die Zukunft; zu behaupten, dass es schon funktioniert, schon Kunden hat oder schon Umsätze macht, die es nicht macht, ist eine falsche Aussage über die Gegenwart. Ein Startup, das scheitert, hat keinen Betrug begangen; eines, das über das lügt, was es hat, womöglich schon.
Waren Theranos, Fyre und FTX Betrug?
Ihre Gründer wurden in den USA wegen Betrugs verurteilt: Elizabeth Holmes, weil sie die Investoren von Theranos täuschte, Billy McFarland, weil er die Investoren von Fyre und Ticketkäufer täuschte, und Sam Bankman-Fried, weil er das Geld der FTX-Kunden verwendete. In allen drei Fällen lag die Straftat im Lügen über Tatsachen, nicht im großen Träumen.
Wie erkennt man betrügerische Startups, bevor man investiert?
Lassen Sie sich das Produkt vor einer unabhängigen, fachkundigen Person in Betrieb zeigen, prüfen Sie die Umsätze anhand von Dokumenten Dritter, fragen Sie, wer das Geld verwahrt, und misstrauen Sie Aufsichtsräten voller Prominenter ohne Fachleute aus der Branche.
Wo prüfe ich ein Beteiligungsangebot in Deutschland?
Prüfen Sie die Plattform oder den Anbieter, der Ihnen die Beteiligung anbietet, in der Unternehmensdatenbank der BaFin und in ihren Warnmeldungen; in Österreich bei der FMA, in der Schweiz bei der FINMA. Der Fake-Check Geldanlage der Verbraucherzentralen gibt zusätzlich eine erste Einschätzung, auch bei vermeintlich exklusiven Beteiligungsangeboten.
Quellen
- SEC, Klage gegen Theranos, Elizabeth Holmes und Ramesh Balwani (März 2018)
- US-Bundesstaatsanwaltschaft für Nordkalifornien, Strafmaß für Elizabeth Holmes (November 2022)
- Handelsblatt, Urteil im Betrugsskandal: Elizabeth Holmes muss mehr als elf Jahre ins Gefängnis (November 2022)
- US-Berufungsgericht für den Neunten Bezirk, United States v. Holmes (2025)
- CNBC, Holmes’ Aussage zu den Logos der Pharmakonzerne (2021)
- SEC, Litigation Release 24213 gegen McFarland und Fyre Media (2018)
- US-Justizministerium (SDNY), sechs Jahre Haft für William McFarland (2018)
- US-Justizministerium, 25 Jahre Haft für Samuel Bankman-Fried (2024)
- John J. Ray III, Erklärung im Insolvenzverfahren von FTX (17. November 2022)
- Verbraucherzentrale, Fake-Check Geldanlage
- BaFin, Unternehmensdatenbank
- BaFin, Warnmeldungen
- FMA Österreich, Unternehmensdatenbank
- FINMA, Warnliste
Informationsangebot: keine Finanz- oder Rechtsberatung. Vor einer Anlageentscheidung wenden Sie sich an eine zugelassene Fachperson.