Die bekanntesten Filme und Serien über echte Betrüger sind „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956), „Schtonk!“ (1992), „Catch Me If You Can“ (2002), „The Wolf of Wall Street“ (2013), „American Hustle“ (2013) und Serien wie „The Dropout“, „Inventing Anna“ oder „King of Stonks“ (alle 2022). Alle gehen von wahren Fällen aus, aber keiner ist eine Dokumentation: „Catch Me If You Can“ verfilmt eine Geschichte, die sich zum großen Teil als erfunden herausstellte, und „The Wolf of Wall Street“ erzählt die Version des Betrügers selbst. Hier finden Sie fünfzehn Titel in der Reihenfolge ihres Erscheinens, jeweils mit dem, was stimmt, und dem, was verändert wurde.
Welche Filme über echte Betrüger sollte man gesehen haben?
1. Der Hauptmann von Köpenick (1956)
Helmut Käutner, mit Heinz Rühmann als Schuster Wilhelm Voigt, nach dem Theaterstück von Carl Zuckmayer aus dem Jahr 1931. Der Film wurde für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Was verändert wurde: Zuckmayers Handlung um den Mann ohne Pass, der an der preußischen Bürokratie verzweifelt, ist zu einem großen Teil Dichtung. Wahr ist der Kern, und er ist absurd genug: Am 16. Oktober 1906 besetzte Voigt in Hauptmannsuniform mit einer Gruppe Soldaten, die ihm aufs Wort gehorchten, das Rathaus von Köpenick, ließ den Bürgermeister festnehmen und beschlagnahmte die Stadtkasse, nach englischsprachigen Quellen 4.002 Mark. Er wurde zu vier Jahren verurteilt und 1908 von Kaiser Wilhelm II. vorzeitig begnadigt. Ein Hochstapler, der nichts brauchte als eine Uniform: Autorität ist der Hebel, den niemand prüft.
2. The Great Impostor (1961)
Mit Tony Curtis, nach dem Buch von Robert Crichton über Ferdinand Waldo Demara, der sich als Mönch, Lehrer, Anwalt und Schiffsarzt der kanadischen Marine im Koreakrieg ausgab. Was verändert wurde: Der Film ist eine freie Bearbeitung seiner Abenteuer und macht aus einem Leben mit Dutzenden falscher Identitäten eine Abenteuerkomödie. Die Wirklichkeit war schon genug: Ohne Arzt zu sein, versorgte er an Bord eines Zerstörers Kriegsverwundete. Mehr Fälle dieser Art finden Sie bei den berühmtesten Hochstaplern der Geschichte.
3. Schtonk! (1992)
Helmut Dietl, mit Götz George und Uwe Ochsenknecht, eine Satire auf den Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Der Film wurde für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert und erhielt drei Deutsche Filmpreise. Was verändert wurde: Die Namen. Aus dem Fälscher Konrad Kujau wird Fritz Knobel, aus dem Stern-Reporter Gerd Heidemann wird Hermann Willié, und alles ist zur Groteske zugespitzt. Die Wirklichkeit übertraf die Satire kaum: Der Stern zahlte für die angeblichen Tagebücher mehr als 9,3 Millionen D-Mark und präsentierte sie im April 1983 als Weltsensation; Bundesarchiv, Bundeskriminalamt und Bundesanstalt für Materialprüfung wiesen kurz darauf nach, dass es plumpe Fälschungen waren. 1985 wurden Kujau und Heidemann zu Haftstrafen von jeweils mehr als vier Jahren verurteilt.
4. Catch Me If You Can (2002)
Steven Spielberg, mit Leonardo DiCaprio als Frank Abagnale und Tom Hanks als FBI-Agent, der ihn jagt. Der Film verfilmt Abagnales Memoiren: falscher Pan-Am-Pilot, Arzt und Anwalt, bevor er 21 war. Was verändert wurde: Das Problem ist nicht der Film, sondern seine Quelle. 2020 veröffentlichte Alan C. Logan „The Greatest Hoax on Earth“ und vertritt darin, gestützt auf Gefängnisakten, dass Abagnale einen großen Teil der Jahre, in denen er angeblich um die Welt betrog, in Haft saß. Abagnales berühmtester Betrug war vermutlich seine eigene Geschichte. Das fasst unser Gesetz der Täuschung Nr. 12 zusammen: „Je berühmter die Geschichte, desto seltener prüft man, ob sie stimmt.“ Den ganzen Fall lesen Sie unter Catch Me If You Can: die wahre Geschichte.
5. Der Informant! (2009)
Steven Soderbergh, mit Matt Damon als Mark Whitacre, dem Manager des Agrarkonzerns ADM, der dem FBI in den Neunzigerjahren half, ein Preiskartell aufzudecken. Was verändert wurde: der komödiantische Ton. Die Wirklichkeit ist noch seltsamer: Während er mit dem FBI zusammenarbeitete, zweigte Whitacre Millionen Dollar aus dem Unternehmen ab, verlor seine Immunität und wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, mehr als die Manager, die er hatte überführen helfen.
6. Die Verführerin Adele Spitzeder (2012)
Fernsehfilm von Xaver Schwarzenberger für BR, ORF und das Erste, mit Birgit Minichmayr in der Titelrolle, die dafür die österreichische Romy erhielt. Er erzählt die Geschichte der Münchner Schauspielerin, die ab 1869 mit ihrer „Dachauer Bank“ Kleinsparern zehn Prozent Zinsen im Monat versprach und die Zinsen der Alten mit den Einlagen der Neuen bezahlte, bis das System 1872 zusammenbrach. Was verändert wurde: Wie jedes Fernsehdrama verdichtet der Film mehrere Jahre auf neunzig Minuten und erfindet Gespräche, die niemand aufgeschrieben hat. Der Mechanismus aber ist genau der des Schneeballsystems, Jahrzehnte bevor es Charles Ponzi seinen Namen gab. Den Fall mit seinen Quellen finden Sie unter Adele Spitzeder und die Dachauer Bank.
7. The Wolf of Wall Street (2013)
Martin Scorsese, mit Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort, nach dessen Memoiren. Was verändert wurde: Der Film erzählt die Version des Protagonisten, mit seinen Exzessen im Vordergrund und seinen Opfern fast außerhalb des Bildes. Die Wirklichkeit: Stratton Oakmont saß auf Long Island, nicht an der Wall Street, und verkaufte am Telefon billige Aktien, deren Kurs die Firma aufblähte, um oben zu verkaufen. 2003 wurde Belfort zu vier Jahren verurteilt, saß 22 Monate ab und wurde zu einer Rückzahlung von 110 Millionen Dollar verpflichtet, von denen er laut Biography rund 14 Millionen gezahlt hat. Und eine letzte Wendung: 2018 zahlte seine Produktionsfirma Red Granite 60 Millionen Dollar, um eine Klage des US-Justizministeriums beizulegen, nach der ein Teil der Finanzierung des Films aus Geldern stammte, die aus dem malaysischen Staatsfonds 1MDB abgezweigt worden waren. Ein Film über einen Betrug, finanziert, so das Ministerium, mit dem Geld eines anderen. Was der Film weglässt, lesen Sie unter The Wolf of Wall Street: die wahre Geschichte.
8. American Hustle (2013)
David O. Russell, mit Christian Bale und Amy Adams, inspiriert von Abscam, der verdeckten FBI-Operation Ende der Siebzigerjahre, bei der ein Betrüger half, Politiker zu filmen, die Bestechungsgeld von einem falschen Scheich annahmen. Was verändert wurde: fast alles, und der Film sagt es selbst: Er beginnt mit einer Texttafel, nach der einiges davon wirklich passiert ist. Die Namen sind geändert und die Handlung ist dramatisiert; nach Ansicht des Kolumnisten Albert R. Hunt bei Bloomberg ist der Film besser als die wahre Geschichte.
9. Madoff (Miniserie, 2016)
Produktion des US-Senders ABC über den Fall Madoff, mit Richard Dreyfuss in der Hauptrolle. Was verändert wurde: Wie jede Dramatisierung verdichtet sie Jahrzehnte des Betrugs auf wenige Stunden und stützt sich auf nachgestellte private Szenen. Wer die Fakten will, ist mit einer Dokumentation besser bedient.
10. The Wizard of Lies (2017)
HBO-Film mit Robert De Niro als Bernard Madoff und Michelle Pfeiffer als seiner Frau, nach dem Buch der Journalistin Diana B. Henriques. Was verändert wurde: Der Film richtet den Blick auf Madoffs Familie und den Zusammenbruch nach seinem Geständnis, weniger auf die Mechanik des Betrugs. Die Wirklichkeit: Madoff bekannte sich schuldig und wurde 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Um den Mechanismus zu verstehen, lesen Sie Was ist ein Schneeballsystem? oder den Fall Bernie Madoff.
11. Can You Ever Forgive Me? (2018)
Marielle Heller, mit Melissa McCarthy als Lee Israel, einer verarmten Biografin, die Anfang der Neunzigerjahre Hunderte Briefe berühmter Schriftsteller wie Dorothy Parker oder Noël Coward fälschte und an Sammler verkaufte. Der Film beruht auf Israels eigenen Memoiren. Was verändert wurde: im Wesentlichen wenig; er verdichtet Figuren und Zeiträume. Er gehört zu den treuesten Verfilmungen dieser Liste.
12. Der große Fake – Die Wirecard-Story (2021)
Doku-Drama von Raymond Ley für TVNOW (heute RTL+), produziert von UFA Fiction, mit Christoph Maria Herbst als Wirecard-Chef Markus Braun und Franz Hartwig als Jan Marsalek. Es mischt Spielszenen mit dokumentarischem Material. Was verändert wurde: Nach Angaben der Produktion beruhen die Spielszenen auf Hintergrundgesprächen mit Insidern; die Journalistin, die durch den Film führt, ist eine erfundene Figur. Kurz vor der Ausstrahlung im RTL-Hauptprogramm erwirkte ein Beteiligter beim Oberlandesgericht München eine einstweilige Verfügung, weil er sich vorverurteilt sah. Die Wirklichkeit dahinter: Am 25. Juni 2020 beantragte Wirecard die Insolvenz, nachdem das Unternehmen eingeräumt hatte, dass Bankguthaben von 1,9 Milliarden Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht existierten. Für alle Beteiligten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Den Fall erzählen wir unter Der Wirecard-Skandal.
13. The Dropout (2022)
Miniserie mit Amanda Seyfried als Gründerin von Theranos. Was verändert wurde: Sie dramatisiert private Gespräche, die niemand aufgezeichnet hat, und vereinfacht die Nebenfiguren. Die Wirklichkeit: Im Januar 2022 sprach eine Jury Holmes des Betrugs an Anlegern schuldig, vom Vorwurf des Betrugs an Patienten aber frei; sie wurde zu mehr als elf Jahren verurteilt. Die dokumentarische Fassung finden Sie in unserer Liste der Dokus über Betrug, den Fall unter Elizabeth Holmes und Theranos.
14. Inventing Anna (2022)
Netflix-Serie über Anna Sorokin, die sich in New York als deutsche Erbin Anna Delvey ausgab, nach einer Reportage der Journalistin Jessica Pressler. Was verändert wurde: Sie mischt Fakten und Erfindung und sagt es von der ersten Folge an mit einem Hinweis an das Publikum, dass Teile erfunden sind. Die Wirklichkeit: 2019 wurde Sorokin zu vier bis zwölf Jahren verurteilt, weil sie mehr als 200.000 Dollar ergaunert hatte. Und ein Detail, das die Serie nicht hervorhebt: Netflix zahlte ihr 320.000 Dollar für die Rechte an ihrer Geschichte.
15. King of Stonks (2022)
Sechsteilige deutsche Netflix-Serie, eine Satire auf die Fintech-Branche, mit Matthias Brandt als Chef des Zahlungsdienstleisters CableCash und Thomas Schubert als Felix Armand. Was verändert wurde: alles, was sich ändern lässt. CableCash ist eine erfundene Firma, und die Serie ist nur lose vom Fall Wirecard inspiriert; wer die echten Abläufe sucht, ist mit dem Doku-Drama von 2021 oder einer Dokumentation besser bedient.
Eine Anmerkung: was keine Fiktion ist – und was nur Fiktion ist
„Der Tinder-Schwindler“ (2022), „Fyre“ (2019) oder „Dirty Pop“ (2024) tauchen oft in Listen mit „Filmen über Betrüger“ auf, sind aber Dokumentationen: Wir haben sie mit dem, was jede bietet, unter die besten Dokus über Betrug zusammengestellt. Umgekehrt ist der berühmteste deutsche Hochstapler der Literatur, Thomas Manns Felix Krull (verfilmt 1957 mit Horst Buchholz und 2021 von Detlev Buck), eine erfundene Figur. Deshalb steht er nicht in dieser Liste.
Warum verändern Filme die wahre Geschichte?
Aus drei Gründen, die man im Kopf behalten sollte:
- Die Quelle ist der Betrüger. „Catch Me If You Can“ und „The Wolf of Wall Street“ verfilmen die Memoiren der Protagonisten selbst. Ein Betrüger ist per Definition ein unzuverlässiger Erzähler.
- Das Drama braucht einen Helden. Das Charisma des Betrügers verkauft Kinokarten, die Opfer nicht. Deshalb kommen sie fast nie vor.
- Die Zeit wird gestaucht. Jahre der Täuschung passen in zwei Stunden, und was verloren geht, ist meist das Nützlichste: die Warnsignale, die offen sichtbar waren und die niemand prüfte.
Bei MATERIUM machen wir es umgekehrt: Wir erzählen den Fall mit offengelegten Quellen und beenden jede Folge mit der Regel, an der Sie dieselbe Falle heute erkennen. Wenn Sie mit Fällen beginnen möchten, die das Kino nur zur Hälfte erzählt hat, sehen Sie sich die Folgen an oder lesen Sie über die größten Betrüger der Geschichte.
Häufige Fragen
Welche Filme über Betrüger beruhen auf wahren Fällen?
Zu den bekanntesten gehören „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) über Wilhelm Voigt, „Schtonk!“ (1992) über die gefälschten Hitler-Tagebücher, „Catch Me If You Can“ (2002) über Frank Abagnale, „The Wolf of Wall Street“ (2013) über Jordan Belfort und „American Hustle“ (2013) über die FBI-Operation Abscam; dazu Serien wie „The Dropout“ (2022) über Elizabeth Holmes, „Inventing Anna“ (2022) über Anna Sorokin und „King of Stonks“ (2022), lose nach Wirecard.
Ist Catch Me If You Can eine wahre Geschichte?
Nur zum Teil. Der Film adaptiert die Memoiren von Frank Abagnale, doch der Forscher Alan C. Logan belegte 2020 mit Gefängnisakten, dass Abagnale einen großen Teil der Jahre, in denen er sich angeblich als Pilot und Arzt ausgab, in Haft verbrachte. Betrogen hat Abagnale tatsächlich, aber in viel kleinerem Maßstab.
Wie viel Wahrheit steckt in The Wolf of Wall Street?
Der Film beruht auf Belforts eigenen Memoiren und erzählt deshalb seine Version. Der Kern stimmt: Er manipulierte von Stratton Oakmont auf Long Island aus Aktienkurse, wurde 2003 zu vier Jahren verurteilt und sollte 110 Millionen Dollar zurückzahlen, von denen er laut Biography rund 14 Millionen gezahlt hat. Die Produktionsfirma zahlte 2018 außerdem 60 Millionen Dollar, um eine Klage des US-Justizministeriums beizulegen, die ihre Finanzierung mit dem Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verband.
Gibt es einen Film über Wirecard?
Ja, zwei Spielformate: das Doku-Drama „Der große Fake – Die Wirecard-Story“ (2021, zuerst auf TVNOW, heute RTL+) mit Christoph Maria Herbst als Markus Braun und die fiktive Netflix-Serie „King of Stonks“ (2022), die von Wirecard inspiriert ist, aber eine erfundene Firma namens CableCash zeigt.
Ist „Der Tinder-Schwindler“ ein Film?
Nein, es ist eine Netflix-Dokumentation von 2022, in der die Betroffenen selbst erzählen. Deshalb steht sie in unserer Liste der Dokus über Betrug, nicht hier.
Quellen
- filmportal.de, Der Hauptmann von Köpenick (1956)
- Wikipedia (EN), Wilhelm Voigt
- visitBerlin, Der Hauptmann von Köpenick (16.10.1906)
- Wikipedia (EN), Ferdinand Waldo Demara
- Wikipedia (EN), Schtonk!
- GHDI, Der Stern präsentiert die Hitler-Tagebücher (22.04.1983)
- Bundesarchiv, Auftakt des Prozesses um die gefälschten Hitler-Tagebücher
- WHYY, The Greatest Hoax on Earth: Interview mit Alan C. Logan
- Wikipedia (DE), Der Informant!
- Wikipedia (EN), Mark Whitacre
- filmportal.de, Die Verführerin Adele Spitzeder (2012)
- Wikipedia (DE), Adele Spitzeder
- Biography, Jordan Belfort
- CNBC, Produzenten von The Wolf of Wall Street zahlen 60 Millionen Dollar im 1MDB-Verfahren (2018)
- Wikipedia (EN), Stratton Oakmont
- Bloomberg Opinion, Albert R. Hunt: American Hustle is better than the real story (2013)
- US-Bundesstaatsanwaltschaft Southern District of New York, Urteil gegen Bernard Madoff (2009)
- Wikipedia (EN), The Wizard of Lies
- Wikipedia (EN), Lee Israel
- UFA, Der große Fake – Die Wirecard-Story
- Horizont, RTL hat juristischen Ärger mit Film über Wirecard-Affäre (2021)
- LTO, Nach Bilanzskandal: Wirecard meldet Insolvenz an (2020)
- US-Justizministerium, Elizabeth Holmes des Anlegerbetrugs schuldig gesprochen (2022)
- Wikipedia (EN), Anna Sorokin
- Netzwelt, King of Stonks: deutsche Wirecard-Satire startet bei Netflix (2022)
- Wikipedia (EN), Confessions of Felix Krull